Ein Blick über die Grenzen

30.04.2020

Ein Besuch in Kolumbien und Ecuador im Februar 2020

Bärbel Fünfsinn ist Musikerin und Theologin, gibt Workshops zu unterschiedlichen Themen und gestaltet in einem kleinen Team die regelmäßigen Frauengottesdienste in der Friedenskirche.

Im Februar 2020 hat sie Freundinnen und Freunde in Kolumbien und Ecuador besucht. „Corona und die damit verbundene Krankheit trifft vor allem die Weißen“, so behaupten Menschen in Lateinamerika. Zu Beginn der Pandemie schien dies auch der Fall zu sein. Als ich im Februar zu Besuch in der südkolumbianischen Stadt Tumaco war, gab es Corona vor allem in Italien. Mittlerweile wurde in Tumaco jedoch eine totale Ausgangssperre verordnet, die die Menschen sehr hart trifft. Meine Freundin, die dort lebt, schrieb Mitte April: „Wir sprechen hier nicht von relativ geräumigen Eigenheimen mit gut ausgestatteten Kinderzimmern, sondern von Großfamilien in schlichten Holzhütten, viel zu klein, um sich tagsüber darin aufzuhalten. Außerdem hat in meiner Nachbarschaft kaum jemand ein festes Einkommen. Alle leben von ihrer täglichen Arbeit. Wer nicht arbeiten kann, bringt kein Essen nach Hause.“ Wenn das Virus die Menschen dort erreicht, ist mit einer Katastrophe zu rechnen, denn schon unter normalen Bedingungen funktioniert die Gesundheitsversorgung nicht. Wie so etwas aussieht, erlebten die Einwohner*innen in Guayaquil in Ecuador. Corona-Tote mussten auf öffentliche Plätze gelegt werden, um Raum für neue durch das Virus Infizierte in den Krankenhäusern zu schaffen.

Uli Purrer vor ihrem Haus in Tumaco
Uli Purrer vor ihrem Haus in Tumaco

Meine Freund*innen, die ich in Kolumbien und Ecuador traf, beglückwünschten mich, dass ich noch rechtzeitig im März nach Hamburg in „Sicherheit“ gelangt bin. Auch hier lauert das Virus und Menschen sind davon existenziell betroffen. Wir haben jedoch eine gute ärztliche Versorgung und ausreichend Krankenhäuser. Ich sorge mich um meine Bekannten in Lateinamerika und befürchte furchtbare Auswirkungen für die ökonomisch armen Länder sowie die Millionen von Geflüchteten weltweit.

Meiner Meinung nach sind die Stimmen unserer Kirchen in Deutschland zu leise angesichts des Elends in anderen Teilen der Welt. Ja, es ist das erste Mal, dass die Mehrheit in unserem Land solch eine schwierige Erfahrung macht. Es geht unter die Haut. Doch angesichts unseres funktionierenden Staates und unseres Wohl – Standes wünsche ich mir mehr Solidarität mit den „Armen“, so wie es verschiedene Initiativen vormachen, ich nenne nur #Leave no one behind.

Als Christ*innen betonten wir die Geschwisterlichkeit aller Menschen. Deshalb: Für die fernen „Nächsten“ zu beten ist wichtig. Ich finde, es ist für uns Kirchenmenschen dran, öffentlich lauter die Stimme zu erheben, zum Beispiel für mehr Großzügigkeit gegenüber Ländern des „Südens“, für eine humane Politik im Umgang mit Asylsuchenden. Wir dürfen die Menschen in Griechenlands Flüchtlingslagern nicht sterben lassen! 50 Kinder aufzunehmen, reicht nicht.

Brot für die Welt sagte es vor einiger Zeit so: „Die Welt besteht aus Teilen“. Geld, Zeit, Ideen – da wo Menschen teilen, entsteht Verbundenheit. Gemeinsam können wir viel bewirken.

Spendenhinweise

seebruecke.org/leavenoonebehind/spenden-leavenoonebehind
www.diakonie-katastrophenhilfe.de/projekte/corona-virus

Text: Bärbel Fünfsinn. Fotos: Bärbel Fünfsinn, Sören Schultz.

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