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Eine Mitte für Alle

In der Neuen Mitte Altona mitmischen - Kirche ist nicht nur Turm.

Die Planung des ersten Teils der Neuen Mitte Altona ist so gut wie abgeschlossen, die Bauarbeiten haben begonnen, und die ersten Mieter sollen im Sommer 2018 einziehen. Der sogenannte „Bauabschnitt 1“ liegt zwischen Bahnhof Altona, Harkortstraße, Stresemann­straße und dem Bogen der hochgelegten Fernbahn­trasse.

Die Kirchengemeinde Altona-Ost ist schon seit längerem an Diskussionen um die Neue Mitte Altona beteiligt. Nach Pastor Friedrich Brandi und Pastor Michael Schirmer hat jetzt Pastorin Vanessa von der Lieth diese Aufgabe übernommen: „Wir haben im Herbst 2014 jemanden von der Behörde eingeladen, der uns von den Plänen erzählt hat. Dann haben wir als Kirchengemeinderat entschieden, dass wir hier mitdenken und mitgestalten wollen.“ Das passiert vor allem im Forum „Eine Mitte für Alle“. „Der beste Ort, wenn man sich engagieren will“, so von der Lieth. „Hier wird darüber nachgedacht, wie ein inklusives Quartier aussehen kann, das alle einbezieht: Menschen mit und ohne Einschränkungen, Menschen aller Generationen, aller Kulturen und Religionen, aller sozialen Milieus, und dabei Fragen wie Ökologie und Nachhaltigkeit mit im Blick behält.“

Auf dreierlei Weise möchte die Gemeinde in der Neuen Mitte konkret dabei sein: Zusammen mit dem Kitawerk Altona-Blankenese möchte sie eine Kindertagesstätte betreiben. Außerdem plant sie, eine Wohnung als Pastorat anzumieten oder zu kaufen. Und schließlich wünscht sie sich Räume für die kirchliche Arbeit und für Begegnungsmöglichkeiten im Quartier. Und das ist noch nicht alles.

Die Kindertagesstätte

Die Mitte Altona ist in Privatbesitz. Das Gebiet ist jedoch so groß, dass die Stadt mitplant und mitbestimmt. Wer hier Wohnungen baut, muss auch bauen und bereitstellen, was die Menschen im Quartier brauchen, zum Beispiel vier Kitas. Kirchengemeinde und Kitawerk Altona-Blankenese haben sich zusammen bei der Behrendt-Gruppe (einer Baugesellschaft) beworben, um in deren Bauprojekt eine Kita zu betreiben, und sie haben 2015 den Zuschlag bekommen. Das Kitawerk ist eine Einrichtung des Kirchenkreises, die als Trägerin  evangelischer Kitas eng mit Kirchengemeinden zusammenarbeitet. In Kooperation mit der Gemeinde Altona-Ost betreibt das Kitawerk bereits die Kitas Friedenskirche und Billrothstraße – und nun soll die Kita in der Neuen Mitte Altona dazukommen. Während das Kitawerk für Finanzen und Personal zuständig ist, wird die Konzeption gemeinsam erarbeitet. In der Kita wird Pastorin von der Lieth dann regelmäßig Kindergottes­dienste feiern, die Familien begleiten und für die Mitarbeitenden ein offenes Ohr haben.

Die Wohnung

In der Neuen Mitte Altona wird es einen Wohnungs-Drittel-Mix geben: Eigentumswohnungen, Mietwohnun­gen und geförderte Sozialwohnungen. In Bauabschnitt 1 werden rund 1.600 Wohnungen gebaut. Eine davon möchte die Gemeinde als Pastorat anmieten oder kaufen, und Vanessa von der Lieth will mit ihrer Familie dort einziehen. „Dort selbst zu wohnen ist etwas ganz anders, als von draußen zuzuschauen. Und warum ich? Ich bin im Moment in der Gemeinde die Frau für die Arbeit mit Kindern und Familien. Ich bin sehr gut vernetzt. Und ich werde mit meinem Kind auf dem Spielplatz sein, wo alle anderen auch sind.“

Weitere Räume

Darüber hinaus sucht die Kirchengemeinde Räume für Gottesdienste, Begegnungen und andere Veran­staltungen. „Diese Räume wollen wir uns gerne teilen: mit anderen Menschen, die etwas in der Neuen Mitte bewegen wollen, und auch mit Menschen anderer Religionen. Eine neue Nachbarschaft könnte ja auch der Beginn für eine neue interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit werden“, hofft Vanessa von der Lieth.

Die Kirche im Quartier

„Es ist sinnvoll, von Anfang an als Kirche im Quartier dabei zu sein“, sagt die Pastorin. „Das wichtigste dabei ist für mich, dass wir uns als ein Teil des „Forums“ oder des ganzen Netzwerks verstehen. Wir wollen nicht nur Kirche mit Turm drauf sein, die erwartet, dass die Menschen zur ihr kommen. Sondern umgekehrt, wir wollen mit den Menschen dort etwas machen, wo sie sind. Und wir wollen die Themen, mit denen wir uns als Kirche auskennen, einbringen.“ Und das sind für sie: das Einstehen für soziale Gerechtigkeit und der Kampf gegen die Verdrängung benachteiligter Menschen aus der Stadt; die Begleitung von Menschen in allen Lebenssituationen und besonders in Krisen; das Wissen über die Bedeutung von Religion im Leben der Menschen; die Fähigkeit, interreligiöses und interkulturelles Lernen zu befördern.  

Die weitere Planung

Im Sommer 2014 hat die Deutsche Bahn bekannt gegeben, dass sie den Bahnhof Altona zum Diebsteich verlegen will. Dadurch wurde auch der Bauabschnitt 1 konkreter. „Das hat dem ganzen Prozess nach meinem Gefühl einen ungeheuren Schub verliehen“, so von der Lieth. Nur sind sich jetzt Bahn und Stadt nicht darüber einig, wie das neue Bahnhofsgebäude aussehen soll (das heißt, wie viel es kosten wird...). Dadurch könnte sich der Beginn von „Bauabschnitt 2“ (auf dem Bahngelände westlich der Fernbahntrasse) verzögern. Vermutlich wird dieser Teil erst Ende der zwanziger Jahre bebaut sein. Umso mehr Möglichkeiten sieht die Pastorin, die Planung zu beeinflussen und über Gemeindeprojekte hinaus als Kirche oder Diakonie präsent zu sein. Was im Bauabschnitt 2 passiere, ob zum Beispiel auch für Obdachlose oder Flüchtlinge Wohnungen entstehen, hänge ganz vom Engagement derer ab, die sich dafür einsetzen. Sie sagt: „Das Schöne ist, es ist ganz viel möglich! Wir als Gemeinde sind eine unter anderen. Wir sind engagiert so wie die anderen auch. So wünsche ich mir die Kirche! Eine unter anderen mittendrin.“ Monika Rulfs

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